Lebensstil

Ich hätte nie geglaubt, dass einmal ein Moment in diesem Land kommt, in dem ich im Gegensatz zur grossen Mehrheit der Menschen um mich herum sagen kann, es läuft alles für mich wie immer. Nichts grossartig einschneidendes verändert sich mit dem Gemeinschaftsregelwerk der Regierung. Ich muss mich (endlich mal) niemandem erklären, warum ich zu Hause bleibe. Ich muss keinen Small Talk halten, nicht unhöflich zurückweichen, wenn Menschen dem Kusswahn oder den Umarmungsbegrüssungen fröhnen. Sicherheitsabstand von einem bis zwei Meter sind sowieso schon immer der perfekte Abstand für mich gewesen. Gut da zeigen sich möglicherweise noch ein paar andere Marotten, denen man medizinische Namen geben könnte, wenn man wollte. Will ich aber nicht. Das was ich erwiesenermassen diagnostiziert habe, reicht mir vollkommen aus.

Wer hochsensibel, depressiv und atopisch veranlagt ist, der lebt genau dieses Leben, welches euch nun aufgewzungen wird, gerne und fühlt sich nicht eingeengt dadurch. Denn wir brauchen ein langsameres Leben. Eines, dass uns Sicherheit, Struktur und Halt gibt. Wir mögen keine grossen Menschenansammlungen, meiden laute Orte und können aufgrund der Depressionen sowieso manchmal einfach nicht aus dem Haus.

Aber ich habe zum Glück auch einen Beruf, der nicht von der Regierung lahmgelegt werden kann. Ich kann und darf also weiter arbeiten und zwar nicht im Homeoffice. Denn meine Arbeit kann nicht zu Hause erledigt werden. Wir geben Menschen ein Zuhause, weil sie nirgendwo anders mehr hin können. In diesen Zeiten sind wir ganz besonders darauf bedacht unsere WG’s familiär, bunt, lebhaft und so fröhlich wie nur irgend möglich zu gestalten. Zurück zu altmodisch gewordenen Werten wie Harmonie, Lachen, Liebe, Zeit für Gespräche, mögen sie auch mal eine Stunde dauern und ganz viel Spaziergängen an der frischen Luft. Zeit ist’s.

Ein junger Mensch wurde einmal gefragt, weiss deine Mutter/dein Vater noch, dass du sein Kind bist? Der Sohn/die Tochter antwortete: Es ist nicht wichtig, dass sie es wissen. Wichtig ist, dass ich es weiss.

Leben mit Demenz

Ich will damit in keinster Weise andeuten, dass ich Corona nicht ernst nehmen würde. In meinem Beruf schon mal gleich gar nicht. Hätten wir den Virus im Haus, dann würde es uns unsere Klienten wie die Fliegen dahinraffen. Und daran hätte ganz bestimmt niemand seine Freude.

Aber vielleicht trägt dieser Artikel ein wenig dazu bei, dass uns mehr Verständnis entgegen gebracht wird. Jetzt bekommt so manch angetriebener Mensch eine Bremse auferzwungen in seinem hektischen Leben. Und ihr könnt einmal ganz persönlich erfahren, wie es uns immer geht, in unseren Leben. Wir haben es schwer mit der Gesellschaft, in der Kommunikation, mit Nähe und anderem mehr. Was für euch also einschneidende Veränderungen sind, damit müssen wir einen Grossteil unseres Lebens -einfach so- klar kommen. Ohne dass man dem Aussen erklären kann, dass da Lebensqualität eingebüsst wird. Ungefragt und ohne Wahl. Ganz genau so, wie ihr alle, die ihr gesund seid, es jetzt auch erfahren müsst.

eure more.me

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